Biographie

Der Fotograf, Grafikdesigner, Typograf, Maler und Ausstellungsarchitekt Herbert Bayer wurde am 5. April 1900 in Haag, Oberösterreich geboren. Sein Vater war Steuerberater. Seine künstlerischen Neigungen soll er von der Mutter geerbt haben.

Nach einem Intermezzo bei der Oberösterreichischen Bahn und Militärdienst absolvierte er eine Lehre in einem Kunstgewerbeatelier. Danach studierte und lehrte von 1921 bis 1928 am Bauhaus, bevor es ihn nach Berlin zog, wo er in der Werbeagentur Dorland als Werbegrafiker und künstlerischer Leiter arbeitete. Als Künstler beschäftigte er sich zudem intensiv mit der Gestaltung von Ausstellungen, mit Malerei sowie Fotografie und für die Modezeitschrift „Vogue“ in Paris war er als Art Director tätig.

Nach 1933 übernahm er vermehrt Propaganda-Aufträge für Ausstellungen der Nationalsozialisten. Er war für die neuen Machthaber bis 1938 tätig, bevor er in die USA emigrierte, nachdem auch seine Werke 1937 in München in der Nazi-Ausstellung „Entartete Kunst“ vertreten waren. In den USA hatte er bereits 1937 mit dem Ehepaar Gropius die Ausstellung „Bauhaus 1919-28“ im New Yorker Museum of Modern Art gestaltete. Er ließ sich in Aspen Colorado/USA als Architekt, Bildhauer sowie Landschaftsgestalter nieder und starb am 30. September 1985 in Montecito/Kalifornien.

Walter Gropius

Design und Philosophie

Mit seinem fotografischen Werk und seinen Typografien-Entwicklungen gehört Herbert Bayer zu einem wichtigen Protagonisten des sogenannten Neuen Sehens. Der Grundsatz für seine Arbeiten lautete „Effizienz“.

Mit seiner assoziativen Bildsprache, seiner kreativen Collagetechnik und Airbrush-Illustrationen setzte der ehemalige Bauhaus-Lehrer neue ästhetische Maßstäbe und wurde nach 1928 schnell zu einem der bestbezahlten deutschen Gebrauchsgrafikern. Er gilt heute als Wegbereiter für den Bereich der visuellen Kommunikation und hat die moderne Auffassung von Werbegrafik und -design nachhaltig geprägt hat.

Sein Stil stieß auch bei den Nazis auf viel Gegenliebe und so sind seine Berliner Jahre heute von vielen Widersprüchen geprägt. Zu seinen Lebzeiten hielt er die Werke aus dieser Zeit bewusst zurück. So entwarf Herbert Bayer beispielsweise für die „riesenhafte Schau“ „Die Kamera - Ausstellung für Fotografie, Druck und Reproduktion“ im Jahr 1933, deren Schirmherr Josef Goebbels war, einen Ausstellungskatalog. In manche gestalterische Arbeiten - wie das NS-Werbeheft zur Ausstellung „Wunder des Lebens“ - schmuggelte er heimlich die Bauhausfarben Rot, gelb und Blau ein.

Bauhaus-Phase

Zwischen 1921 und 1925 setzte Bayer seine Ausbildung am Bauhaus in Weimar und Dessau fort. Er nahm am Vorkurs von Johannes Itten und später am Unterricht von Paul Klee teil. 1922/23 sowie 1924/25 besuchte er die Werkstatt für Wandmalerei und lernte unter Wassily Kandinsky, bevor er 1925 seine Gesellenprüfung am Bauhaus ablegte. Danach berief Walter Gropius ihn zum Jungmeister und Bayer übernahm die Leitung der neu eingerichteten Werkstatt für Druck und Reklame in Dessau.

In seiner Bauhaus-Zeit gestaltete er zahlreiche Werbegrafiken und Drucksachen für die Schule, führte die DIN-Norm aller Drucksachen ein und setzte die Bauhaus-Kleinschreibung. Durch seine für den Bauhaus-Eigenbedarf entwickelten Drucksachen-Entwürfe legte er den Grundstein für den damals neuen Beruf des Grafikdesigners.

Während seiner Bauhaus-Zeit heiratete der gut aussehende Frauenschwarm die Bauhaus-Studentin und Fotografin Irene Angela Hecht. Er verließ das Bauhaus 1928 mit seiner Familie und genoss nach seiner Scheidung ein ausgelassenes Junggesellenleben in der deutschen Hauptstadt.

Herbert Bayer Bauhaus Werke

Bayers Werksverzeichnis ist vielfältig. Es umfasst sowohl Grafiken, Fotomontagen, aber auch Malerei und Landschaftsgestaltungen. Eines seiner wichtigsten Werke ist sein 1932 erschienenes, surreal anmutendes „Selbstporträt“, das einen jungen Mann mit erschrocken aufgerissenen Augen zeigt. Aber auch seine 1935 entstandene Reklame für „Adrianol-Emulsion“ oder die Gestaltung des „Marble Garden“ aus dem Jahr 1955 sind bedeutende Meilensteine.

Sein 1938 konzipiertes Plakat für die Bauhaus-Ausstellung im MOMA erinnert schon Jahrzehnte vor der Pop-Art-Ära an diese Stilrichtung. Mit seinen Ideen war er seiner Zeit mehr als einmal weit voraus und so wurden Entwürfe von ihm auch schon mal als „zu modern“ abgelehnt.

Eine besondere Leidenschaft galt Ausstellungen. Hier ließ er sich auch vom NS-Propagandaministerium instrumentalisieren, das sich nur zu gern mit dem Image der Modernität umgab.

Nach dem Krieg besucht Bayer u.a. auch wieder Deutschland: 1964 nahm er an der documenta III teil und 1988 organisierte er eine Ausstellung „50 Jahre Bauhaus“ für den Kunstverein Stuttgart. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich erhielt er diverse Auszeichnungen.

Bauhaus Movement Designer

Kunst und Technik - Eine neue Einheit

Der Bauhaus-Stil ist wohl jener Bau- und Design-Stil, der wie kein anderer die Moderne seit Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt hat - sowohl die klassische Moderne als auch die Avantgarde. Und die Resonanz hält bis in die Gegenwart an und inspiriert immer noch weltweit Architekten und Designer das Bauhaus-Credo „Weniger ist mehr“ mit immer neuem Leben zu erfüllen. Inzwischen hat sich rund um den Erdball eine ständig wachsende Social Media Community etabliert, die sogenannte Bauhaus Design Community, die sich der Weiterentwicklung des ausgeprägt sachlichen Bau- und Designstil verschrieben hat.

A house is a machine for living in Le Corbusier